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Rap in Reinform. Richtig geil spitten. Richtig was wegflowen, Alle an die Wand stylen. Dass konnte Olli Banjo bekanntlich schon immer wie kaum ein Anderer. Das neue Album bietet wieder straighten Rap, aber mit Subtext. Brandaktuelle Interpretation des Zeitgeistes. Gesellschaftskritische und politische Songs von einem Typen, der das Maul aufmacht und trotz der Thematiken nie die Technik aus den Augen verliert. Wenn alles im Chaos zu versinken droht, dann braucht es Haltung. Dann muss man etwas sagen, ja, sogar politisch werden. Rapskills und Inhalt schließen sich hier nicht aus, sondern werden in bester Olli-Banjo-Tradition miteinander verbunden.

Olli Banjo ist eine Bank. Das darf, ja, muss man so sagen. 2001 schlägt der damals 24-jährige mit seiner »Rotlicht«-12“ in der deutsch Rap-Szene auf und erteilt auf steroidgestärkten Synthiebeats von Headrushs Finest Roe Beardie eine Lektion in Sachen Avantgarde Alliterations-Rap. Man merkt gleich: Hier ist einer am Werk, der nicht nur Technik, sondern auch Themen hat. Weil er nicht einfach nur flext, sondern in seinen Endlosreimketten doppelte Böden und Botschaften verbaut und dieses Konstrukt mit Extraportionen Ironie, Genie und Wahnsinn versieht.

Mit Alben wie »Erste Hilfe«, »Schizogenie«, »Lifeshow« und »Kopfdisco« erschafft Olli Banjo in den darauffolgenden Jahren echte Genreklassiker. Für die dreiteilige Mixtape-Reihe mit dem Namen »Sparring« steigt er mit ganz Deutschrap in den Ring und beweist, dass man fernab aller Camp-Befindlichkeiten ganz Deutschrap – von Sido bis Savas, von Marteria bis K.I.Z. – vereinen kann

Nach dem Olli Banjo 2010 »Kopfdisco« herausbringt, passiert etwas. Er fängt an, sich das Produzieren beizubringen. Er lernt, wie man Songs schreibt – und wird so vom reinen MC zum Musiker. Das Resultat ist 2014 sein nächster Streich »Dynamit«. »Aber ich habe auch gemerkt, dass Rap in den letzten Jahren irgendwie zu kurz gekommen ist. Ich wollte einfach wieder so richtig geil spitten!«

Richtig geil spitten also. Rap in Reinform. Richtig was wegflowen, alle an die Wand stylen. Dass konnte Olli Banjo bekanntlich schon immer wie kaum ein Anderer. Was er dafür braucht: Klar, Beats. Also produziert er in Eigenregie einen Haufen böse Bretter und packt sie für ein paar Monate weg. »Als ich sie mir dann nach einiger Zeit wieder angehört habe, hat sich das angefühlt, als seien die ganz neu – bei manchen konnte ich kaum glauben, dass ich die selber gemacht habe«, erinnert Olli sich und lacht. Die alten, neuen Beats auf den Ohren, stellt Olli sich die Frage, wo er mit seinem neuen Album hin will.

»Zu der Zeit hatte ich gerade eine richtige Feierphase. Ich bin mit den Halunken um die Häuser gezogen und habe dabei gemerkt, wie die Großstadt auf mich wirkt und was sie in den Jahren für einen Einfluss auf mich gehabt hat.« Die verstrahlten und vernebelten Eindrücke aus dem Nachtleben und den Wandel am Abgrund verarbeitet Olli Banjo in einem Song, der das Feeling und den Vibe der restlichen Platte vorgibt. Der Titel? »Großstadtdschungel«. Auf dem dazugehörigen Track schwingt sich Silberrücken Banjo an einer Liane durch die urbane Undurchdringlichkeit. Vorbei an den grellen Leuchtreklamen, den hyperaktiven Affen, fleischfressenden Pflanzen, den falschen Ratten und den flinken Mäusen. Matt-Grau bis stechend Neon, Poesie mit der blutigen Nase am Asphalt. Zynisch, politisch und doch voller Hoffnung. »Dieser Ort an dem alles zusammenkommt ist in meinen Augen die perfekte Metapher für den aktuellen Zeitgeist«, sagt Olli Banjo.

Nach dem der ersten Song steht, geht es Schlag für Schlag. Olli überträgt den Spirit des Titeltracks auf das gesamte Album. Er tritt einen Schritt zurück und sieht ganz genau hin. Wenn alles im Chaos zu versinken droht, dann braucht es Haltung. Dann muss man etwas sagen, ja, sogar politisch werden – selbst, wenn es um Liebe geht. Folglich nimmt er auf »Arschloch Dumme Sau« die rosarote Brille ab, erzählt vom Streit und Strategien in Beziehungen, davon wie man in der Liebe vermittelt, um wieder zueinander zu finden.

Aber es geht auch anders. »Wir sind das Volk« ist eine längst überfällige Anti-AfD-Anthem. Aber Olli Banjo und KC Rebell arbeiten sich nicht intellektuell am Rechtsruck in der Republik ab oder versteigen sich in ahnungslosen Allgemeinplätze, sondern halten den ganzen »Ich bin kein Nazi, aber…«-Sagern den Spiegel vor ihre dümmlichen Fratzen, während »Skinhead« mit Vorstadtfaschos in der Kleingartenanlage und beim Frisör abrechnet und in der Liebe all die Antworten auf den Hass in der Welt findet.

»Robin Hood« bringt dann die gesellschaftliche Ungerechtigkeit auf den Punkt. Der Song erzählt davon, wie es ist, wenn man in eine aussichtslose Situation geboren und abgehängt wurde, obwohl man eigentlich ja mitmachen will und das Recht dazu hat. Zu Gast ein Vega in Topform. Anschließend fährt Olli Banjo gemeinsam mit PA Sports in seinem »Rosa Panzer« mit Rage Against The Machine auf den Ohren durch das konsumgesellschaftliche Gefahrengebiet, während »Verdammt lang her« mit Prinz Pi einen wehmütigen und nostalgischen Blick auf das unbeschwerte Damals wirft in dem man sich ausschließlich von Raider und Sprite ernährte.

Die 16 Tracks auf »Großstadtdschungel« zeigen: Natürlich ist Olli Banjo älter geworden. Natürlich hat er Erfahrungen gemacht. Natürlich rückt das die Dinge in eine andere Perspektive. Aber trotz all den Entwicklungen ist »Großstadtdschungel« eine traditionelle Olli-Banjo-Platte geworden. Straighter Rap, aber mit Subtext. Der „Geist seines Debutalbums „Erste Hilfe“ im brandaktuellen Gewand seiner Interpretation des Zeitgeistes .Gesellschaftskritische und politische Songs von einem Typen, der das Maul aufmacht und trotz der Thematiken nie die Technik aus den Augen verliert. Rapskills und Inhalt schließen sich hier nicht aus, sondern werden in bester Olli-Banjo-Tradition miteinander verbunden.

Achja: »Großstadtdschungel« erscheint auch als limitierte Box mit einem vollständigen (!!!!) Bonus-Album „Schwarz auf weiß“ von Olli Banjo. Absolute Topsongs, inklusive Features von Samy Deluxe, Liquit Walker, MC Gringo und A.V. »Ich hatte so viele geile Songs übrig, dass ich die den Leuten nicht vorenthalten wollte. Andere packen irgendwelchen Unsinn in ihre limitierten Boxen, ich lege einfach noch ein zweites Album umsonst dazu. Was will ich mit einem überflüssigen Kirmes Gimik? Mehr Musik! Das ist doch das, worüber ich mich bei einem Künstler oder einer Band von der ich Fan bin am meisten freuen würde.«

01. Großstadtdschungel
02. 100 Rapper
03. Arschloch Dumme Sau feat. Jahy
04. Robin Hood feat. Vega
05. Bruce Willis
06. Skinhead
07. Rosa Panzer feat. PA Sports, Mica Dulce
08. Böser Junge feat. Mic Donet
09. Wir sind das Volk feat. KC Rebell
10. Ballermann 5 feat. Ali As
11. Verdammt lang her feat. Prinz Pi
12. Mach das nochmal
13. Eidechsen Blues
14. Pass ma gut zu feat. Samy Deluxe
15. Charlie Brown
16. Nicht in dieser Nacht feat. Mic Donet, A.V